Stipeniaten und Stipendiatinnen
Dr Oksana Prokopyuk
Universität: Goethe-Universität Frankfurt am Main
Projekttitel: The History of Pre-Modern Kyivan Christianities
Jahr: 2025
Im Jahr 2025 erhielt Dr. Oksana Prokopyuk eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für ihr Forschungsprojekt The History of Pre-Modern Kyivan Christianities, das im Rahmen des DFG-geförderten Forschungszentrums Polycentricity and Plurality of Premodern Christianities (POLY) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main durchgeführt wird. Das Projekt untersucht die religiöse Vielfalt, Pluralität und Verflechtung christlicher Gemeinschaften in der Ukraine und Ostmitteleuropa vom 12. bis zum 18. Jahrhundert mithilfe eines innovativen polyzentrischen Forschungsansatzes. Die Förderung der DUHK/УНІК unterstützte Archivdienstleistungen, Digitalisierung und englische Übersetzungen historischer Quellen für einen internationalen Quellenband, wodurch zentrale Materialien zur Geschichte der Kyjiwer Christentümer einer internationalen wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur internationalen Forschung zur Geschichte des östlichen Christentums, religiöser Pluralität und des kulturellen Erbes der Ukraine.
Dr Jakob Stürmann
Universität: Universität Leipzig
Projekttitel: Excitement, Uncertainty, and Nostalgia. Everyday Objects of Soviet-Jewish Refuseniks
Jahr: 2025
Dr. Jakob Stürmann erhielt 2025 ein Stipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission zur Unterstützung seines Habilitationsprojekts Excitement, Uncertainty, and Nostalgia. Everyday Objects of Soviet-Jewish Refuseniks. Das an der Universität Leipzig angesiedelte Projekt untersucht die Erfahrungen sowjetisch-jüdischer Emigrant:innen anhand materieller Kultur und widmet sich insbesondere den Alltagsobjekten und persönlichen Gegenständen sogenannter Refuseniks. Ein besonderer Fokus liegt auf jüdischen Gemeinschaften in der Sowjetukraine, insbesondere in Kyjiw, Odesa und Charkiw. Trotz der erschwerten Bedingungen infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ermöglichte das Stipendium den Zugang zu digitalisierten Archivbeständen aus ukrainischen Archiven sowie die Erschließung bislang wenig bekannter Quellen. Das Projekt eröffnet neue Perspektiven auf die Geschichte sowjetischer Jüdinnen und Juden, Migrationserfahrungen und ukrainisch-jüdische Verflechtungsgeschichte in der Spätphase der Sowjetunion.
Julia Elena Grieder
Universität: Universität Basel
Projekttitel: Defying Soviet Assimilation: Non-Titular Minorities in Post-Stalinist Transcarpathia and Lviv Oblast (1953–1982)
Jahr: 2025
Julia Elena Grieder erhielt im Jahr 2025 eine Förderung für digitale Archivrecherchen in der Ukraine im Rahmen ihres Dissertationsprojekts an der Universität Basel. Das Projekt Defying Soviet Assimilation: Non-Titular Minorities in Post-Stalinist Transcarpathia and Lviv Oblast (1953–1982) untersucht, wie nicht-titulare ethnische Minderheiten – insbesondere jüdische, ungarische und polnische Gemeinschaften – auf Assimilationsdruck, religiöse Reglementierungen und staatliche Homogenisierungspolitiken in der poststalinistischen Westukraine reagierten. Durch die Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission konnten Archivbestände aus Kyjiw und Transkarpatien digitalisiert und in den Quellenkorpus des Projekts integriert werden. Die neu erschlossenen Materialien leisten einen wichtigen Beitrag zur Fertigstellung der Dissertation sowie zur Erforschung von Minderheiten, Agency und Governance in der späten Sowjetukraine.
M.A. Christina Eiden
Universität: Universität Augsburg
Projekttitel: „Brandstiftung, ‚seniler Marasmus‘ und Delinquenz“ – sozioökonomische und medizinhistorische Analyse psychiatrischer Dokumente im 19. und 20. Jahrhundert
Jahr: 2025
Christina Eiden erhielt 2025 eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für Archivrecherchen im Rahmen ihres Promotionsprojekts zur Geschichte psychiatrischer Einrichtungen im 19. und 20. Jahrhundert. Das Forschungsvorhaben untersucht psychiatrische Institutionen in Bayern und der ehemaligen Habsburger Region Bukowina mit besonderem Fokus auf die Bukowinaer Landes-Heil- und Pflegeanstalt Czernowitz. Im Zentrum stehen Fragen zu Diagnosepraktiken, sozioökonomischen Hintergründen der Patient:innen sowie institutionellen Entwicklungen psychiatrischer Versorgung in unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Kontexten. Die Förderung ermöglichte die Digitalisierung bislang wenig erschlossener Archivbestände in Černivci, darunter Verwaltungsdokumente und patientenbezogene Akten. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Medizin-, Sozial- und Psychiatriegeschichte Ostmitteleuropas.
Hannah Steckelberg
Universität: Universität Wien
Projekttitel: Gewalt in den Stadt-Land-Beziehungen in der revolutionären Ukraine
Jahr: 2025
Hannah Steckelberg erhielt 2025 ein Stipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission zur Unterstützung digitaler Archivservices im Rahmen ihres Dissertationsprojekts an der Universität Wien. Ihre Dissertation untersucht Gewalt in den Stadt-Land-Beziehungen während der Ukrainischen Revolution und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Otamanenbewegungen sowie die Interaktionen zwischen bäuerlichen Aufständen und urbanen Räumen. Das Projekt widmet sich der Frage, wie Gewalt die Beziehungen zwischen Stadt und Land in der revolutionären Ukraine prägte und schließt damit eine wichtige Forschungslücke zur lokalen Machtausübung und paramilitärischen Gewalt. Dank der Förderung konnten Archivmaterialien aus ukrainischen Staatsarchiven digitalisiert und für die Forschung zugänglich gemacht werden, wodurch die empirische Grundlage der Dissertation wesentlich erweitert wurde.
Olesia Isaiuk
Universität / Institution: Nationales Museum-Memorial „Gefängnis auf der Łąckiego-Straße“ (Lwiw, Ukraine)
Projekttitel: Ein Familiendrama im Spannungsfeld politischer Konflikte: Dilemmata rund um den Tod der Bandera-Brüder im Konzentrationslager Auschwitz
Jahr: 2025
Im Jahr 2025 erhielt Olesia Isaiuk ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für Archivrecherchen in Deutschland zu den Umständen des Todes der Brüder von Stepan Bandera – Wassyl und Oleksandr Bandera – im Konzentrationslager Auschwitz. Ziel des Projekts war eine Neubewertung etablierter Interpretationen dieses Falls, der nicht nur als Episode politischer Konflikte, sondern auch als komplexes Zusammenspiel nationalsozialistischer Gewalt, polnisch-ukrainischer Beziehungen und innerer Gewaltmechanismen im Konzentrationslager untersucht wurde. Während ihres Forschungsaufenthalts arbeitete die Wissenschaftlerin in Berliner Archiven, insbesondere im Bundesarchiv sowie im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts, und analysierte Materialien zur Verwaltung von Auschwitz, zu nationalsozialistischen Institutionen und zur Sicherheitsstruktur des Dritten Reiches. Auch wenn einige Forschungsfragen weiterhin offenbleiben, trugen die Ergebnisse wesentlich zu einem besseren Verständnis der historischen Zusammenhänge bei und eröffneten neue Perspektiven auf Entscheidungsprozesse im Lager, interethnische Spannungen und Machtstrukturen innerhalb von Auschwitz.
Illia Parshyn
Universität / Institution: Nationale Universität Lwiw „Iwan Franko“
Projekttitel: German Ambassadors and Diplomats at the Court of the Princes of Galicia-Volhynian State in the 13th–14th Centuries
Jahr: 2025
Im Jahr 2025 erhielt Illia Parshyn ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für ein Projekt zu diplomatischen Beziehungen zwischen dem Galizisch-Wolhynischen Staat und deutschen politischen Eliten im 13. und 14. Jahrhundert. Das Projekt widmete sich einer prosopographischen Untersuchung deutscher Gesandter und Diplomaten am Hof der Romanowytschi-Dynastie und zielte darauf ab, die Rolle der mittelalterlichen Rus’ in europäischen diplomatischen Netzwerken neu zu bewerten. Während seines Forschungsaufenthalts in Berlin arbeitete der Stipendiat in der Staatsbibliothek zu Berlin sowie im Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und analysierte mittelalterliche Urkunden, genealogische Materialien und Quellen des Deutschen Ordens. Die Forschung ermöglichte eine Präzisierung der diplomatischen Rolle der Familie Schwarzburg in den Beziehungen zu den Romanowytschi sowie die Identifizierung neuer Quellen zu dynastischen Bündnissen und politischen Kontakten zwischen ruthenischen Fürsten und deutschen Eliten. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Überwindung sowjetisch geprägter historiographischer Stereotype und eröffnet neue Perspektiven auf die europäische Dimension mittelalterlicher Diplomatie der Ukraine.
Anastasiia Chumakovska
Universität / Institution: Borys-Grinchenko-Universität Kyjiw
Projekttitel: Gesellschaftspolitische Lagerzeitschriften im Wirken von Roman Rakhmannyi (auf Grundlage der Archiv- und Bibliotheksbestände der Ukrainischen Freien Universität in München, 1945–1948)
Jahr: 2025
Im Jahr 2025 erhielt Anastasiia Chumakovska ein Stipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission zur Durchführung von Forschungen im Archiv der Ukrainischen Freien Universität (UFU) in München. Das Projekt untersuchte den Beitrag von Roman Rakhmannyi (Oliinyk) zur Entwicklung der ukrainischen Lagerpresse der Nachkriegszeit sowie seine Rolle als Redakteur, Publizist und Organisator des ukrainischen Informationsraums in der Emigration. Im Rahmen ihrer Archivarbeit analysierte die Forscherin mehrsprachige Bulletins des Ukrainischen Pressedienstes, systematisierte den Bestand von Rakhmannyis Publikationen und untersuchte die Entwicklung zentraler ukrainischer Lagerzeitschriften, insbesondere „Chas“ und „Ukrajinska Trybuna“. Ein wesentliches Ergebnis des Stipendiums war die Fertigstellung und Publikation eines wissenschaftlichen Artikels über die redaktionelle und publizistische Tätigkeit Roman Rakhmannyis in der Zeitschrift „Chas“ (1945–1948), der auf Archivmaterialien der UFU in München basiert. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der ukrainischen Nachkriegsemigration, der Mediengeschichte sowie des intellektuellen Lebens ukrainischer Displaced Persons in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.