Stipendiat:innen 2024 (Forschungsaufenthalte in Deutschland)
Mykhailo Kostiuk
Universität / Institution: Nationale Technische Universität Luzk
Projekttitel: Die Deutschen Wolhyniens während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945)
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Mykhailo Kostiuk ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für das Projekt „Die Deutschen Wolhyniens während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945)“. Das Forschungsvorhaben untersucht den rechtlichen Status, die sozioökonomischen Bedingungen, Migrationsprozesse sowie das kulturelle Leben der deutschen Minderheit in Wolhynien während des Zweiten Weltkriegs, insbesondere die Umsiedlung der Wolhyniendeutschen in den Warthegau und später nach Deutschland. Während seines Forschungsaufenthalts arbeitete der Wissenschaftler im Bundesarchiv in Berlin, im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts, in der Bayerischen Staatsbibliothek, in der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne sowie in weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen in München, Göttingen und Berlin. Besonders wertvoll waren neu erschlossene Archivquellen zur nationalsozialistischen Umsiedlungspolitik, zur Tätigkeit deutsch-sowjetischer Umsiedlungskommissionen, zur Anpassung der Wolhyniendeutschen im Warthegau sowie zu ihren Erfahrungen nach Kriegsende. Die Forschung erweiterte die Quellenbasis des Projekts erheblich, systematisierte die deutschsprachige Historiographie und schuf eine Grundlage für weitere wissenschaftliche Publikationen zur Geschichte der Wolhyniendeutschen im 20. Jahrhundert.
Khrystyna Mereniuk
Universität / Institution: I.-Krypjakewytsch-Institut für Ukrainische Studien der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine (Doktorandin)
Projekttitel: The Portrayal of Bellatores from Rus’ in Medieval German Literature and Historical Narrative Sources
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Khrystyna Mereniuk ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für ein Projekt zur Darstellung von Kriegern der Rus’ (bellatores from Rus’) in mittelalterlicher deutscher Literatur und historischen Narrativen. Das Projekt ist Teil ihrer Dissertation zur Turnierkultur der Rus’ im 12.–14. Jahrhundert und untersucht die Wahrnehmung rus’ischer Fürsten, Bojaren und Krieger im mittelalterlichen deutschen Kulturraum. Während ihres Forschungsaufenthalts in Berlin arbeitete die Wissenschaftlerin in der Bibliothek der Humboldt-Universität, der Staatsbibliothek zu Berlin sowie im Landesarchiv Berlin und analysierte mittelalterliche Handschriften, Chroniken und literarische Werke mit Bezügen zur Rus’. Von besonderer Bedeutung waren Materialien aus der Weltchronik des Jans Enikel sowie mittelalterlichen deutschen Heldenepen, die einzigartige Miniaturen und Beschreibungen der Teilnahme rus’ischer Herrscher an Ritterturnieren enthalten. Als Ergebnis des Forschungsaufenthalts wurden mehrere wissenschaftliche Artikel über das Bild des „rus’ischen Königs“ in europäischen Traditionen sowie über die Beteiligung rus’ischer Eliten an der mitteleuropäischen Ritterkultur vorbereitet.
Hanna Malaia
Universität / Institution: Institut für Geschichte der Ukraine der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine
Projekttitel: Memoiren als Quelle zur Erforschung der Dissidentenbewegung in der Ukrainischen SSR (1960er–1980er Jahre)
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Hanna Malaia ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für einen Forschungsaufenthalt an der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen. Das Projekt widmet sich der Analyse von Memoiren als Quelle zur Erforschung der ukrainischen Dissidentenbewegung der 1960er bis 1980er Jahre, insbesondere Fragen der Identitätsbildung, politischer Weltbilder und intellektueller Praktiken innerhalb der sowjetukrainischen Opposition. Während ihres Aufenthalts arbeitete die Forscherin mit Sammlungen von Ego-Dokumenten, Memoiren und Samizdat-Materialien aus den Archiv- und Bibliotheksbeständen der Forschungsstelle Osteuropa. Die Analyse von Materialien ukrainischer Dissident:innen, darunter Ivan Hel, die Brüder Horyn, Valentyn Moroz, Mykola Rudenko und Ivan Switlytschnyj, erweiterte die Quellenbasis der Dissertation erheblich und präzisierte deren konzeptionellen Rahmen. Ein wichtiges Ergebnis des Forschungsaufenthalts war die Vertiefung des methodischen Zugangs zur Untersuchung der ukrainischen Dissidentenbewegung im breiteren europäischen Kontext des Widerstands gegen Totalitarismus und des Kampfes für Menschenrechte. t3://file?uid=243
Stipendiaten und Stipendiatinnen
Dr Oksana Prokopyuk
Universität: Goethe-Universität Frankfurt am Main
Projekttitel: The History of Pre-Modern Kyivan Christianities
Jahr: 2025
Im Jahr 2025 erhielt Dr. Oksana Prokopyuk eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für ihr Forschungsprojekt The History of Pre-Modern Kyivan Christianities, das im Rahmen des DFG-geförderten Forschungszentrums Polycentricity and Plurality of Premodern Christianities (POLY) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main durchgeführt wird. Das Projekt untersucht die religiöse Vielfalt, Pluralität und Verflechtung christlicher Gemeinschaften in der Ukraine und Ostmitteleuropa vom 12. bis zum 18. Jahrhundert mithilfe eines innovativen polyzentrischen Forschungsansatzes. Die Förderung der DUHK/УНІК unterstützte Archivdienstleistungen, Digitalisierung und englische Übersetzungen historischer Quellen für einen internationalen Quellenband, wodurch zentrale Materialien zur Geschichte der Kyjiwer Christentümer einer internationalen wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur internationalen Forschung zur Geschichte des östlichen Christentums, religiöser Pluralität und des kulturellen Erbes der Ukraine.
Dr Jakob Stürmann
Universität: Universität Leipzig
Projekttitel: Excitement, Uncertainty, and Nostalgia. Everyday Objects of Soviet-Jewish Refuseniks
Jahr: 2025
Dr. Jakob Stürmann erhielt 2025 ein Stipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission zur Unterstützung seines Habilitationsprojekts Excitement, Uncertainty, and Nostalgia. Everyday Objects of Soviet-Jewish Refuseniks. Das an der Universität Leipzig angesiedelte Projekt untersucht die Erfahrungen sowjetisch-jüdischer Emigrant:innen anhand materieller Kultur und widmet sich insbesondere den Alltagsobjekten und persönlichen Gegenständen sogenannter Refuseniks. Ein besonderer Fokus liegt auf jüdischen Gemeinschaften in der Sowjetukraine, insbesondere in Kyjiw, Odesa und Charkiw. Trotz der erschwerten Bedingungen infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ermöglichte das Stipendium den Zugang zu digitalisierten Archivbeständen aus ukrainischen Archiven sowie die Erschließung bislang wenig bekannter Quellen. Das Projekt eröffnet neue Perspektiven auf die Geschichte sowjetischer Jüdinnen und Juden, Migrationserfahrungen und ukrainisch-jüdische Verflechtungsgeschichte in der Spätphase der Sowjetunion.
Julia Elena Grieder
Universität: Universität Basel
Projekttitel: Defying Soviet Assimilation: Non-Titular Minorities in Post-Stalinist Transcarpathia and Lviv Oblast (1953–1982)
Jahr: 2025
Julia Elena Grieder erhielt im Jahr 2025 eine Förderung für digitale Archivrecherchen in der Ukraine im Rahmen ihres Dissertationsprojekts an der Universität Basel. Das Projekt Defying Soviet Assimilation: Non-Titular Minorities in Post-Stalinist Transcarpathia and Lviv Oblast (1953–1982) untersucht, wie nicht-titulare ethnische Minderheiten – insbesondere jüdische, ungarische und polnische Gemeinschaften – auf Assimilationsdruck, religiöse Reglementierungen und staatliche Homogenisierungspolitiken in der poststalinistischen Westukraine reagierten. Durch die Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission konnten Archivbestände aus Kyjiw und Transkarpatien digitalisiert und in den Quellenkorpus des Projekts integriert werden. Die neu erschlossenen Materialien leisten einen wichtigen Beitrag zur Fertigstellung der Dissertation sowie zur Erforschung von Minderheiten, Agency und Governance in der späten Sowjetukraine.
M.A. Christina Eiden
Universität: Universität Augsburg
Projekttitel: „Brandstiftung, ‚seniler Marasmus‘ und Delinquenz“ – sozioökonomische und medizinhistorische Analyse psychiatrischer Dokumente im 19. und 20. Jahrhundert
Jahr: 2025
Christina Eiden erhielt 2025 eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für Archivrecherchen im Rahmen ihres Promotionsprojekts zur Geschichte psychiatrischer Einrichtungen im 19. und 20. Jahrhundert. Das Forschungsvorhaben untersucht psychiatrische Institutionen in Bayern und der ehemaligen Habsburger Region Bukowina mit besonderem Fokus auf die Bukowinaer Landes-Heil- und Pflegeanstalt Czernowitz. Im Zentrum stehen Fragen zu Diagnosepraktiken, sozioökonomischen Hintergründen der Patient:innen sowie institutionellen Entwicklungen psychiatrischer Versorgung in unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Kontexten. Die Förderung ermöglichte die Digitalisierung bislang wenig erschlossener Archivbestände in Černivci, darunter Verwaltungsdokumente und patientenbezogene Akten. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Medizin-, Sozial- und Psychiatriegeschichte Ostmitteleuropas.
Hannah Steckelberg
Universität: Universität Wien
Projekttitel: Gewalt in den Stadt-Land-Beziehungen in der revolutionären Ukraine
Jahr: 2025
Hannah Steckelberg erhielt 2025 ein Stipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission zur Unterstützung digitaler Archivservices im Rahmen ihres Dissertationsprojekts an der Universität Wien. Ihre Dissertation untersucht Gewalt in den Stadt-Land-Beziehungen während der Ukrainischen Revolution und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Otamanenbewegungen sowie die Interaktionen zwischen bäuerlichen Aufständen und urbanen Räumen. Das Projekt widmet sich der Frage, wie Gewalt die Beziehungen zwischen Stadt und Land in der revolutionären Ukraine prägte und schließt damit eine wichtige Forschungslücke zur lokalen Machtausübung und paramilitärischen Gewalt. Dank der Förderung konnten Archivmaterialien aus ukrainischen Staatsarchiven digitalisiert und für die Forschung zugänglich gemacht werden, wodurch die empirische Grundlage der Dissertation wesentlich erweitert wurde.
Olesia Isaiuk
Universität / Institution: Nationales Museum-Memorial „Gefängnis auf der Łąckiego-Straße“ (Lwiw, Ukraine)
Projekttitel: Ein Familiendrama im Spannungsfeld politischer Konflikte: Dilemmata rund um den Tod der Bandera-Brüder im Konzentrationslager Auschwitz
Jahr: 2025
Im Jahr 2025 erhielt Olesia Isaiuk ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für Archivrecherchen in Deutschland zu den Umständen des Todes der Brüder von Stepan Bandera – Wassyl und Oleksandr Bandera – im Konzentrationslager Auschwitz. Ziel des Projekts war eine Neubewertung etablierter Interpretationen dieses Falls, der nicht nur als Episode politischer Konflikte, sondern auch als komplexes Zusammenspiel nationalsozialistischer Gewalt, polnisch-ukrainischer Beziehungen und innerer Gewaltmechanismen im Konzentrationslager untersucht wurde. Während ihres Forschungsaufenthalts arbeitete die Wissenschaftlerin in Berliner Archiven, insbesondere im Bundesarchiv sowie im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts, und analysierte Materialien zur Verwaltung von Auschwitz, zu nationalsozialistischen Institutionen und zur Sicherheitsstruktur des Dritten Reiches. Auch wenn einige Forschungsfragen weiterhin offenbleiben, trugen die Ergebnisse wesentlich zu einem besseren Verständnis der historischen Zusammenhänge bei und eröffneten neue Perspektiven auf Entscheidungsprozesse im Lager, interethnische Spannungen und Machtstrukturen innerhalb von Auschwitz.
Illia Parshyn
Universität / Institution: Nationale Universität Lwiw „Iwan Franko“
Projekttitel: German Ambassadors and Diplomats at the Court of the Princes of Galicia-Volhynian State in the 13th–14th Centuries
Jahr: 2025
Im Jahr 2025 erhielt Illia Parshyn ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für ein Projekt zu diplomatischen Beziehungen zwischen dem Galizisch-Wolhynischen Staat und deutschen politischen Eliten im 13. und 14. Jahrhundert. Das Projekt widmete sich einer prosopographischen Untersuchung deutscher Gesandter und Diplomaten am Hof der Romanowytschi-Dynastie und zielte darauf ab, die Rolle der mittelalterlichen Rus’ in europäischen diplomatischen Netzwerken neu zu bewerten. Während seines Forschungsaufenthalts in Berlin arbeitete der Stipendiat in der Staatsbibliothek zu Berlin sowie im Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und analysierte mittelalterliche Urkunden, genealogische Materialien und Quellen des Deutschen Ordens. Die Forschung ermöglichte eine Präzisierung der diplomatischen Rolle der Familie Schwarzburg in den Beziehungen zu den Romanowytschi sowie die Identifizierung neuer Quellen zu dynastischen Bündnissen und politischen Kontakten zwischen ruthenischen Fürsten und deutschen Eliten. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Überwindung sowjetisch geprägter historiographischer Stereotype und eröffnet neue Perspektiven auf die europäische Dimension mittelalterlicher Diplomatie der Ukraine.
Anastasiia Chumakovska
Universität / Institution: Borys-Grinchenko-Universität Kyjiw
Projekttitel: Gesellschaftspolitische Lagerzeitschriften im Wirken von Roman Rakhmannyi (auf Grundlage der Archiv- und Bibliotheksbestände der Ukrainischen Freien Universität in München, 1945–1948)
Jahr: 2025
Im Jahr 2025 erhielt Anastasiia Chumakovska ein Stipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission zur Durchführung von Forschungen im Archiv der Ukrainischen Freien Universität (UFU) in München. Das Projekt untersuchte den Beitrag von Roman Rakhmannyi (Oliinyk) zur Entwicklung der ukrainischen Lagerpresse der Nachkriegszeit sowie seine Rolle als Redakteur, Publizist und Organisator des ukrainischen Informationsraums in der Emigration. Im Rahmen ihrer Archivarbeit analysierte die Forscherin mehrsprachige Bulletins des Ukrainischen Pressedienstes, systematisierte den Bestand von Rakhmannyis Publikationen und untersuchte die Entwicklung zentraler ukrainischer Lagerzeitschriften, insbesondere „Chas“ und „Ukrajinska Trybuna“. Ein wesentliches Ergebnis des Stipendiums war die Fertigstellung und Publikation eines wissenschaftlichen Artikels über die redaktionelle und publizistische Tätigkeit Roman Rakhmannyis in der Zeitschrift „Chas“ (1945–1948), der auf Archivmaterialien der UFU in München basiert. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der ukrainischen Nachkriegsemigration, der Mediengeschichte sowie des intellektuellen Lebens ukrainischer Displaced Persons in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
Oleksii Isakov
Universität / Institution: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Projekttitel: Darstellung der vorsowjetischen Realität im Ukrainischen Poetischen Kino der 1960er und 1970er Jahre
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Oleksii Isakov eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für digitale Archivrecherchen im Rahmen seines Dissertationsprojekts zum Ukrainischen Poetischen Kino der 1960er und 1970er Jahre. Das Projekt untersucht die Darstellung der vorsowjetischen ukrainischen Realität in Filmen des Ukrainischen Poetischen Kinos und analysiert die Wechselwirkungen zwischen Filmschaffenden, sowjetischer Kulturpolitik und staatlichen Zensurmechanismen in der Sowjetukraine. Ein besonderer Fokus liegt auf Verfilmungen ukrainischer Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie auf der Verwendung historischer und folkloristischer Motive im Film. Dank der Unterstützung der Kommission konnte der Forscher Materialien aus dem Zentralen Staatlichen Archiv-Museum für Literatur und Kunst der Ukraine, dem Dovženko-Zentrum sowie dem Zentralen Staatlichen Kinofoto- und Tonarchiv der Ukraine auswerten und dadurch die Quellenbasis seiner Dissertation wesentlich erweitern. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der ukrainischen Kulturgeschichte, der sowjetischen Kulturpolitik und der Entwicklung des ukrainischen nationalen Kinos.
Karina Khasnulina
Universität / Institution: Universität Leipzig, Graduate School Global and Area Studies (GSGAS)
Projekttitel: Reversing the Red Tractor: 20th Century Genealogy of Transnational Transfers and Industrialization of the Early Maoist China Within and Beyond the Sino-Soviet Route
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Karina Khasnulina ein Archivstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission zur Unterstützung ihres Promotionsprojekts über transnationale Industrialisierungsprozesse im frühen maoistischen China an der Universität Leipzig. Das Forschungsprojekt untersucht die Industrialisierung der chinesischen Stadt Luoyang und die Rolle des Charkiwer Traktorenwerks als Modell für den Aufbau der ersten chinesischen Traktorenfabrik in den 1950er Jahren. Im Rahmen des Stipendiums arbeitete die Forscherin mit Beständen des Zentralen Staatlichen Wissenschaftlich-Technischen Archivs der Ukraine in Charkiw und konnte dadurch neue Quellen zu Technologietransfers, ingenieurtechnischen Praktiken und institutioneller Zusammenarbeit zwischen der Sowjetukraine und China erschließen. Die Archivrecherchen erweiterten die Dissertation wesentlich und verdeutlichen die zentrale Rolle ukrainischer Institutionen bei der Gestaltung der industriellen Infrastruktur der frühen Volksrepublik China. Das Projekt leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Forschung über sozialistische Globalisierung und transnationale Wissenszirkulation im 20. Jahrhundert.
Muriel Nägler
Universität / Institution: Universität Bremen
Projekttitel: Kriegsgefangene Rotarmistinnen im Kontext des Zweiten Weltkrieges
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Muriel Nägler eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für Archivrecherchen im Rahmen ihres Promotionsprojekts zu weiblichen Angehörigen der Roten Armee in deutscher Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs und ihrer Rückkehr in die Sowjetunion. Das Projekt widmet sich geschlechterspezifischen Dimensionen der Kriegsgefangenschaft, individuellen Überlebensstrategien sowie dem staatlichen Umgang mit ehemaligen Kriegsgefangenen nach der Repatriierung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf ukrainischen Rotarmistinnen sowie auf Archivmaterialien zur sowjetischen Repressionspraxis, darunter Ermittlungsakten, Verhörprotokolle und Dokumente sowjetischer Sicherheitsbehörden. Durch die Unterstützung der Kommission konnten ukrainische Archivquellen in das Projekt einbezogen werden, wodurch ukrainische Perspektiven auf Kriegserfahrungen, Gefangenschaft und Nachkriegsrepression in die Forschung integriert werden.
Mykhailo Kostiuk
Universität / Institution: Nationale Technische Universität Luzk
Projekttitel: Die Deutschen Wolhyniens während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945)
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Mykhailo Kostiuk ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für das Projekt „Die Deutschen Wolhyniens während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945)“. Das Forschungsvorhaben untersucht den rechtlichen Status, die sozioökonomischen Bedingungen, Migrationsprozesse sowie das kulturelle Leben der deutschen Minderheit in Wolhynien während des Zweiten Weltkriegs, insbesondere die Umsiedlung der Wolhyniendeutschen in den Warthegau und später nach Deutschland. Während seines Forschungsaufenthalts arbeitete der Wissenschaftler im Bundesarchiv in Berlin, im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts, in der Bayerischen Staatsbibliothek, in der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne sowie in weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen in München, Göttingen und Berlin. Besonders wertvoll waren neu erschlossene Archivquellen zur nationalsozialistischen Umsiedlungspolitik, zur Tätigkeit deutsch-sowjetischer Umsiedlungskommissionen, zur Anpassung der Wolhyniendeutschen im Warthegau sowie zu ihren Erfahrungen nach Kriegsende. Die Forschung erweiterte die Quellenbasis des Projekts erheblich, systematisierte die deutschsprachige Historiographie und schuf eine Grundlage für weitere wissenschaftliche Publikationen zur Geschichte der Wolhyniendeutschen im 20. Jahrhundert.
Khrystyna Mereniuk
Universität / Institution: I.-Krypjakewytsch-Institut für Ukrainische Studien der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine (Doktorandin)
Projekttitel: The Portrayal of Bellatores from Rus’ in Medieval German Literature and Historical Narrative Sources
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Khrystyna Mereniuk ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für ein Projekt zur Darstellung von Kriegern der Rus’ (bellatores from Rus’) in mittelalterlicher deutscher Literatur und historischen Narrativen. Das Projekt ist Teil ihrer Dissertation zur Turnierkultur der Rus’ im 12.–14. Jahrhundert und untersucht die Wahrnehmung rus’ischer Fürsten, Bojaren und Krieger im mittelalterlichen deutschen Kulturraum. Während ihres Forschungsaufenthalts in Berlin arbeitete die Wissenschaftlerin in der Bibliothek der Humboldt-Universität, der Staatsbibliothek zu Berlin sowie im Landesarchiv Berlin und analysierte mittelalterliche Handschriften, Chroniken und literarische Werke mit Bezügen zur Rus’. Von besonderer Bedeutung waren Materialien aus der Weltchronik des Jans Enikel sowie mittelalterlichen deutschen Heldenepen, die einzigartige Miniaturen und Beschreibungen der Teilnahme rus’ischer Herrscher an Ritterturnieren enthalten. Als Ergebnis des Forschungsaufenthalts wurden mehrere wissenschaftliche Artikel über das Bild des „rus’ischen Königs“ in europäischen Traditionen sowie über die Beteiligung rus’ischer Eliten an der mitteleuropäischen Ritterkultur vorbereitet.
Hanna Malaia
Universität / Institution: Institut für Geschichte der Ukraine der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine
Projekttitel: Memoiren als Quelle zur Erforschung der Dissidentenbewegung in der Ukrainischen SSR (1960er–1980er Jahre)
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Hanna Malaia ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für einen Forschungsaufenthalt an der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen. Das Projekt widmet sich der Analyse von Memoiren als Quelle zur Erforschung der ukrainischen Dissidentenbewegung der 1960er bis 1980er Jahre, insbesondere Fragen der Identitätsbildung, politischer Weltbilder und intellektueller Praktiken innerhalb der sowjetukrainischen Opposition. Während ihres Aufenthalts arbeitete die Forscherin mit Sammlungen von Ego-Dokumenten, Memoiren und Samizdat-Materialien aus den Archiv- und Bibliotheksbeständen der Forschungsstelle Osteuropa. Die Analyse von Materialien ukrainischer Dissident:innen, darunter Ivan Hel, die Brüder Horyn, Valentyn Moroz, Mykola Rudenko und Ivan Switlytschnyj, erweiterte die Quellenbasis der Dissertation erheblich und präzisierte deren konzeptionellen Rahmen. Ein wichtiges Ergebnis des Forschungsaufenthalts war die Vertiefung des methodischen Zugangs zur Untersuchung der ukrainischen Dissidentenbewegung im breiteren europäischen Kontext des Widerstands gegen Totalitarismus und des Kampfes für Menschenrechte.
Archivstipendiat:innen 2024
Oleksii Isakov
Universität / Institution: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Projekttitel: Darstellung der vorsowjetischen Realität im Ukrainischen Poetischen Kino der 1960er und 1970er Jahre
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Oleksii Isakov eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für digitale Archivrecherchen im Rahmen seines Dissertationsprojekts zum Ukrainischen Poetischen Kino der 1960er und 1970er Jahre. Das Projekt untersucht die Darstellung der vorsowjetischen ukrainischen Realität in Filmen des Ukrainischen Poetischen Kinos und analysiert die Wechselwirkungen zwischen Filmschaffenden, sowjetischer Kulturpolitik und staatlichen Zensurmechanismen in der Sowjetukraine. Ein besonderer Fokus liegt auf Verfilmungen ukrainischer Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie auf der Verwendung historischer und folkloristischer Motive im Film. Dank der Unterstützung der Kommission konnte der Forscher Materialien aus dem Zentralen Staatlichen Archiv-Museum für Literatur und Kunst der Ukraine, dem Dovženko-Zentrum sowie dem Zentralen Staatlichen Kinofoto- und Tonarchiv der Ukraine auswerten und dadurch die Quellenbasis seiner Dissertation wesentlich erweitern. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der ukrainischen Kulturgeschichte, der sowjetischen Kulturpolitik und der Entwicklung des ukrainischen nationalen Kinos.
Karina Khasnulina
Universität / Institution: Universität Leipzig, Graduate School Global and Area Studies (GSGAS)
Projekttitel: Reversing the Red Tractor: 20th Century Genealogy of Transnational Transfers and Industrialization of the Early Maoist China Within and Beyond the Sino-Soviet Route
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Karina Khasnulina ein Archivstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission zur Unterstützung ihres Promotionsprojekts über transnationale Industrialisierungsprozesse im frühen maoistischen China an der Universität Leipzig. Das Forschungsprojekt untersucht die Industrialisierung der chinesischen Stadt Luoyang und die Rolle des Charkiwer Traktorenwerks als Modell für den Aufbau der ersten chinesischen Traktorenfabrik in den 1950er Jahren. Im Rahmen des Stipendiums arbeitete die Forscherin mit Beständen des Zentralen Staatlichen Wissenschaftlich-Technischen Archivs der Ukraine in Charkiw und konnte dadurch neue Quellen zu Technologietransfers, ingenieurtechnischen Praktiken und institutioneller Zusammenarbeit zwischen der Sowjetukraine und China erschließen. Die Archivrecherchen erweiterten die Dissertation wesentlich und verdeutlichen die zentrale Rolle ukrainischer Institutionen bei der Gestaltung der industriellen Infrastruktur der frühen Volksrepublik China. Das Projekt leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Forschung über sozialistische Globalisierung und transnationale Wissenszirkulation im 20. Jahrhundert.
Muriel Nägler
Universität / Institution: Universität Bremen
Projekttitel: Kriegsgefangene Rotarmistinnen im Kontext des Zweiten Weltkrieges
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Muriel Nägler eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für Archivrecherchen im Rahmen ihres Promotionsprojekts zu weiblichen Angehörigen der Roten Armee in deutscher Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs und ihrer Rückkehr in die Sowjetunion. Das Projekt widmet sich geschlechterspezifischen Dimensionen der Kriegsgefangenschaft, individuellen Überlebensstrategien sowie dem staatlichen Umgang mit ehemaligen Kriegsgefangenen nach der Repatriierung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf ukrainischen Rotarmistinnen sowie auf Archivmaterialien zur sowjetischen Repressionspraxis, darunter Ermittlungsakten, Verhörprotokolle und Dokumente sowjetischer Sicherheitsbehörden. Durch die Unterstützung der Kommission konnten ukrainische Archivquellen in das Projekt einbezogen werden, wodurch ukrainische Perspektiven auf Kriegserfahrungen, Gefangenschaft und Nachkriegsrepression in die Forschung integriert werden. t3://file?uid=244