Stipendiaten und Stipendiatinnen
Oleksii Isakov
Universität / Institution: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Projekttitel: Darstellung der vorsowjetischen Realität im Ukrainischen Poetischen Kino der 1960er und 1970er Jahre
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Oleksii Isakov eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für digitale Archivrecherchen im Rahmen seines Dissertationsprojekts zum Ukrainischen Poetischen Kino der 1960er und 1970er Jahre. Das Projekt untersucht die Darstellung der vorsowjetischen ukrainischen Realität in Filmen des Ukrainischen Poetischen Kinos und analysiert die Wechselwirkungen zwischen Filmschaffenden, sowjetischer Kulturpolitik und staatlichen Zensurmechanismen in der Sowjetukraine. Ein besonderer Fokus liegt auf Verfilmungen ukrainischer Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie auf der Verwendung historischer und folkloristischer Motive im Film. Dank der Unterstützung der Kommission konnte der Forscher Materialien aus dem Zentralen Staatlichen Archiv-Museum für Literatur und Kunst der Ukraine, dem Dovženko-Zentrum sowie dem Zentralen Staatlichen Kinofoto- und Tonarchiv der Ukraine auswerten und dadurch die Quellenbasis seiner Dissertation wesentlich erweitern. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der ukrainischen Kulturgeschichte, der sowjetischen Kulturpolitik und der Entwicklung des ukrainischen nationalen Kinos.
Karina Khasnulina
Universität / Institution: Universität Leipzig, Graduate School Global and Area Studies (GSGAS)
Projekttitel: Reversing the Red Tractor: 20th Century Genealogy of Transnational Transfers and Industrialization of the Early Maoist China Within and Beyond the Sino-Soviet Route
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Karina Khasnulina ein Archivstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission zur Unterstützung ihres Promotionsprojekts über transnationale Industrialisierungsprozesse im frühen maoistischen China an der Universität Leipzig. Das Forschungsprojekt untersucht die Industrialisierung der chinesischen Stadt Luoyang und die Rolle des Charkiwer Traktorenwerks als Modell für den Aufbau der ersten chinesischen Traktorenfabrik in den 1950er Jahren. Im Rahmen des Stipendiums arbeitete die Forscherin mit Beständen des Zentralen Staatlichen Wissenschaftlich-Technischen Archivs der Ukraine in Charkiw und konnte dadurch neue Quellen zu Technologietransfers, ingenieurtechnischen Praktiken und institutioneller Zusammenarbeit zwischen der Sowjetukraine und China erschließen. Die Archivrecherchen erweiterten die Dissertation wesentlich und verdeutlichen die zentrale Rolle ukrainischer Institutionen bei der Gestaltung der industriellen Infrastruktur der frühen Volksrepublik China. Das Projekt leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Forschung über sozialistische Globalisierung und transnationale Wissenszirkulation im 20. Jahrhundert.
Muriel Nägler
Universität / Institution: Universität Bremen
Projekttitel: Kriegsgefangene Rotarmistinnen im Kontext des Zweiten Weltkrieges
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Muriel Nägler eine Förderung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für Archivrecherchen im Rahmen ihres Promotionsprojekts zu weiblichen Angehörigen der Roten Armee in deutscher Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs und ihrer Rückkehr in die Sowjetunion. Das Projekt widmet sich geschlechterspezifischen Dimensionen der Kriegsgefangenschaft, individuellen Überlebensstrategien sowie dem staatlichen Umgang mit ehemaligen Kriegsgefangenen nach der Repatriierung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf ukrainischen Rotarmistinnen sowie auf Archivmaterialien zur sowjetischen Repressionspraxis, darunter Ermittlungsakten, Verhörprotokolle und Dokumente sowjetischer Sicherheitsbehörden. Durch die Unterstützung der Kommission konnten ukrainische Archivquellen in das Projekt einbezogen werden, wodurch ukrainische Perspektiven auf Kriegserfahrungen, Gefangenschaft und Nachkriegsrepression in die Forschung integriert werden.
Mykhailo Kostiuk
Universität / Institution: Nationale Technische Universität Luzk
Projekttitel: Die Deutschen Wolhyniens während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945)
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Mykhailo Kostiuk ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für das Projekt „Die Deutschen Wolhyniens während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945)“. Das Forschungsvorhaben untersucht den rechtlichen Status, die sozioökonomischen Bedingungen, Migrationsprozesse sowie das kulturelle Leben der deutschen Minderheit in Wolhynien während des Zweiten Weltkriegs, insbesondere die Umsiedlung der Wolhyniendeutschen in den Warthegau und später nach Deutschland. Während seines Forschungsaufenthalts arbeitete der Wissenschaftler im Bundesarchiv in Berlin, im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts, in der Bayerischen Staatsbibliothek, in der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne sowie in weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen in München, Göttingen und Berlin. Besonders wertvoll waren neu erschlossene Archivquellen zur nationalsozialistischen Umsiedlungspolitik, zur Tätigkeit deutsch-sowjetischer Umsiedlungskommissionen, zur Anpassung der Wolhyniendeutschen im Warthegau sowie zu ihren Erfahrungen nach Kriegsende. Die Forschung erweiterte die Quellenbasis des Projekts erheblich, systematisierte die deutschsprachige Historiographie und schuf eine Grundlage für weitere wissenschaftliche Publikationen zur Geschichte der Wolhyniendeutschen im 20. Jahrhundert.
Khrystyna Mereniuk
Universität / Institution: I.-Krypjakewytsch-Institut für Ukrainische Studien der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine (Doktorandin)
Projekttitel: The Portrayal of Bellatores from Rus’ in Medieval German Literature and Historical Narrative Sources
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Khrystyna Mereniuk ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für ein Projekt zur Darstellung von Kriegern der Rus’ (bellatores from Rus’) in mittelalterlicher deutscher Literatur und historischen Narrativen. Das Projekt ist Teil ihrer Dissertation zur Turnierkultur der Rus’ im 12.–14. Jahrhundert und untersucht die Wahrnehmung rus’ischer Fürsten, Bojaren und Krieger im mittelalterlichen deutschen Kulturraum. Während ihres Forschungsaufenthalts in Berlin arbeitete die Wissenschaftlerin in der Bibliothek der Humboldt-Universität, der Staatsbibliothek zu Berlin sowie im Landesarchiv Berlin und analysierte mittelalterliche Handschriften, Chroniken und literarische Werke mit Bezügen zur Rus’. Von besonderer Bedeutung waren Materialien aus der Weltchronik des Jans Enikel sowie mittelalterlichen deutschen Heldenepen, die einzigartige Miniaturen und Beschreibungen der Teilnahme rus’ischer Herrscher an Ritterturnieren enthalten. Als Ergebnis des Forschungsaufenthalts wurden mehrere wissenschaftliche Artikel über das Bild des „rus’ischen Königs“ in europäischen Traditionen sowie über die Beteiligung rus’ischer Eliten an der mitteleuropäischen Ritterkultur vorbereitet.
Hanna Malaia
Universität / Institution: Institut für Geschichte der Ukraine der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine
Projekttitel: Memoiren als Quelle zur Erforschung der Dissidentenbewegung in der Ukrainischen SSR (1960er–1980er Jahre)
Jahr: 2024
Im Jahr 2024 erhielt Hanna Malaia ein Forschungsstipendium der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission für einen Forschungsaufenthalt an der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen. Das Projekt widmet sich der Analyse von Memoiren als Quelle zur Erforschung der ukrainischen Dissidentenbewegung der 1960er bis 1980er Jahre, insbesondere Fragen der Identitätsbildung, politischer Weltbilder und intellektueller Praktiken innerhalb der sowjetukrainischen Opposition. Während ihres Aufenthalts arbeitete die Forscherin mit Sammlungen von Ego-Dokumenten, Memoiren und Samizdat-Materialien aus den Archiv- und Bibliotheksbeständen der Forschungsstelle Osteuropa. Die Analyse von Materialien ukrainischer Dissident:innen, darunter Ivan Hel, die Brüder Horyn, Valentyn Moroz, Mykola Rudenko und Ivan Switlytschnyj, erweiterte die Quellenbasis der Dissertation erheblich und präzisierte deren konzeptionellen Rahmen. Ein wichtiges Ergebnis des Forschungsaufenthalts war die Vertiefung des methodischen Zugangs zur Untersuchung der ukrainischen Dissidentenbewegung im breiteren europäischen Kontext des Widerstands gegen Totalitarismus und des Kampfes für Menschenrechte.