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Workshop

Sixth Early Career Workshop of the German-Ukrainian Historical Commission in Wrocław (2024)

Am 26. und 27. August 2024 fand in Wrocław der sechste internationale Nachwuchsworkshop der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission unter dem Titel (Not) Far from the War: The Russo-Ukrainian War in Refugees’ Testimonies, Oral Histories, and Diaries statt. Die Veranstaltung widmete sich der Frage, wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine in biographischen Quellen dokumentiert, interpretiert und wissenschaftlich analysiert werden kann.

Der Workshop wurde von Prof. Gelinada Grinchenko, Prof. Felix Ackermann, Prof. Natalia Khanenko-Friesen und Prof. Eleonora Narvselius organisiert und wissenschaftlich geleitet. Ziel war es, laufende Forschungsprojekte zur Dokumentation von Kriegserfahrungen ukrainischer Geflüchteter in Europa zu diskutieren und methodische sowie ethische Fragen der Oral History weiterzuentwickeln.

Im Zentrum standen Beiträge zur Narrativisierung von Krieg und Flucht, zur Konstruktion von „Normalität“ unter Bedingungen von Gewalt sowie zu individuellen und kollektiven Erinnerungsperspektiven. Die Präsentationen zeigten, wie autobiographische Erzählungen als zentrale Quellen dienen, um Erfahrungen von Verlust, Migration und Neuorientierung sichtbar zu machen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Analyse von Fluchterfahrungen und Integrationsprozessen in verschiedenen europäischen Kontexten. Fallstudien aus Deutschland, Kanada und der Slowakei verdeutlichten sowohl strukturelle Herausforderungen als auch individuelle Strategien der Anpassung und Identitätsbildung ukrainischer Geflüchteter.

Besondere Aufmerksamkeit galt methodischen Innovationen. Beiträge zur Nutzung digitaler Werkzeuge, insbesondere Open-Source Intelligence (OSINT), zeigten neue Möglichkeiten der Dokumentation und Verifikation von Kriegsereignissen sowie der partizipativen Wissensproduktion.

Darüber hinaus wurden ethische Fragen der Forschung intensiv diskutiert, etwa die Rolle der Forschenden in Interviewsituationen, emotionale Belastungen sowie Verantwortung im Umgang mit traumatischen Erinnerungen.

Ein innovativer Zugang wurde durch künstlerisch-wissenschaftliche Projekte eröffnet, etwa durch die Präsentation eines Graphic-Novel-Projekts, das Flucht und Migration aus der Ukraine visuell und narrativ erschließt und damit neue Formen der Wissensvermittlung erprobt.

Der Workshop war Teil des Summer Institute “Witnessing the War in Ukraine: Testimony in the Pursuit of Justice” und unterstrich die zentrale Bedeutung von Zeugenschaft, Dokumentation und wissenschaftlicher Analyse für das Verständnis des gegenwärtigen Krieges. Er leistete einen wichtigen Beitrag zur internationalen Vernetzung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern und zur Weiterentwicklung der Forschung über Krieg, Flucht und Erinnerung.